Herz-Chirurgie

Medizinische Informationen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören zu den großen Volkskrankheiten. Nicht selten sind die Ursache erkrankte Herzkranzgefäße oder Herzklappen. In den meisten Fällen lassen sich solche Erkrankungen gut mit Medikamenten oder durch die Öffnung der Herzkranzgefäße mit Hilfe eines Ballons bzw. Stents (siehe auch Herzkatheranwendungen) behandeln. Auch eine gesunde Lebensweise hat in der Regel positiven Einfluss auf die Beschwerden. Bei schweren Erkrankungen kann jedoch eine Operation am Herzen notwendig werden. Zu den häufigsten herzchirurgischen Eingriffen gehören Bypass- und Herzklappen-Operationen. In Deutschland werden jährlich rund 70.000 solcher Operationen durchgeführt.

Zu den Qualitätsergebnissen der Behandlungsgebiete Herz-Chirurgie.

Die Herzkranzgefäße, auch Koronarien genannt, sind kranzförmig um den Herzmuskel angeordnet und versorgen ihn mit sauerstoffreichem Blut, damit er seine Pumpleistung erbringen kann Bei vielen Menschen entwickelt sich im Laufe der Jahre die gefürchtete Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Ablagerungen von Cholesterin, Thromben, Bindegewebe und Kalk verengen die Gefäße und verschlechtern die Blutversorgung des Herzens.

Symptome

Der Patient verspürt häufiger Schmerzen im Brustbereich, so genannte Angina Pectoris-Beschwerden. Diese können auch in Arme, Bauch und Kiefer ausstrahlen. Atemnot macht sich zunächst nur bei körperlicher Anstrengung, im weiteren Krankheitsverlauf auch in Ruhe bemerkbar. Die Beschwerden treten in der Regel erst auf, wenn die Gefäße zu mehr als 50 Prozent verengt sind. Der Krankheitsprozess ist dann bereits weit fortgeschritten.

Herzinfarkt

Wenn sich in solch einer veränderten Herzkranz-Arterie ein Blutgerinsel bildet und sie vollständig verschließt, kommt es zum Herzinfarkt. Dann wird ein Teil des Herzmuskels nicht mehr durchblutet und das Gewebe stirbt innerhalb kurzer Zeit ab. Ein Herzinfarkt ist meist ein absolut lebensbedrohliches Ereignis. Nur mit einer schnell einsetzenden Behandlung kann das Leben des Patienten gerettet werden. Im Ernstfall sollte sofort unter der Telefonnummer 112 ein Notarzt alarmiert werden.

Therapie

Bei krankhaften Veränderungen der Herzkranzgefäße stehen neben einer medikamentösen Behandlung zwei Verfahren zur Verfügung: Eine sofort durchgeführte Herzkatheter-Untersuchung, mit der das verschlossene Gefäß eröffnet und mit einem Stent versorgt werden kann, sowie eine Bypass-Operation. Wann welche Methode angewandt wird, entscheiden Arzt und Patient gemeinsam. Bei schweren Erkrankungen, wenn trotz medikamentöser Behandlung weiter Beschwerden vorliegen oder wenn eine Stent-Implantation nicht möglich ist, raten Ärzte in der Regel zur Operation. In Deutschland unterziehen sich jährlich rund 44.000 Frauen und Männer einer Bypass-OP oder einer kombinierten Bypass-Herzklappen-OP.

Die Operation

Bei einer Bypass-Operation werden verengte oder verstopfte Abschnitte der Herzkranzgefäße durch eine Umleitung (engl. Bypass) überbrückt. Hierzu verwenden Herzchirurgen die innere Brustwandarterie oder aus dem Unter- bzw. Oberschenkel entnommene kleine Venen-stücke. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass der Herzmuskel auch hinter der vereng-ten Stelle mit Blut und Nährstoffen versorgt wird.

Mit und ohne Herz-Lungen-Maschine

In den meisten Fällen wird eine solche Operation am offenen Herzen unter Verwendung einer Herz-Lungen-Maschine durchgeführt. Hierfür muss das Brustbein der Länge nach aufgesägt werden. Die Herz-Lungen-Maschine übernimmt während der Operation die Funktion der beiden Organe und versorgt den Organismus mit sauerstoffreichem Blut. Seit einigen Jahren werden auch Bypass-Operationen am schlagenden Herzen, das heißt ohne Verwendung der Herz-Lungen-Maschine, durchgeführt ("Off-Pump-Technik"). Auch auf die Durchtrennung des knöchernen Brustbeins wird inzwischen häufiger ver-zichtet und über einen kleinen Schnitt am seitlichen Brustkorb operiert ("Schlüssellochchirurgie" oder "minimal-invasive Operation").

Patient profitiert unmittelbar von Eingriff

Die Operation ist in aller Regel ein sehr erfolgreiches Verfahren, von der der Patient oft unmittelbar mit einer verbesserten Belastbarkeit profitiert. Deshalb empfehlen Ärzte inzwischen auch vielen älteren Patienten die Operation. Nur selten kommt es zu schwe-ren Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall während des Eingriffs oder Infekti-onen im Brustbereich nach der OP.

Das menschliche Herz besitzt vier Herzklappen, die als Ventile den Blutstrom lenken. Zwei Klappen (Tricuspidal- und Mitralklappe) trennen die Vorhöfe von den Herzkammern, die zwei anderen (Pulmonal- und Aortenklappe) bilden den Ursprung der großen Arterien. Herzklappen können sich im Laufe der Zeit verengen oder nicht mehr richtig schließen. Dabei sind die Klappen, die sich auf der linken Seite des Herzens befinden (Aorten- und Mitralklappe), stärker betroffen, da sie einer höheren Druckbelastung ausgesetzt sind.

Ursachen

Früher war das rheumatische Fieber die häufigste Ursache für eine Herzklappen-Erkrankung, heute sind meist angeborene Gewebsschwächen oder Formveränderungen an den Klappen verantwortlich. Auch das Alter spielt eine Rolle; Herzklappen-Erkrankungen nehmen mit den Jahren zu. Entwickelt sich eine Klappenerkrankung in Folge eines Herzinfarkts oder einer bakteriellen Entzündung, so muss häufig kurzfristig oder sogar notfallmäßig operiert werden.

Symptome

Klappenerkrankungen führen zu einer Pumpschwäche oder einem Blutstau vor dem Herzen. Verminderte Leistungsfähigkeit oder Luftnot, zunächst nur bei Belastung, sind typische Folgeerscheinungen. Kommt es zu Brustschmerz oder kurzer Bewusstlosigkeit, so ist eine Operation dringend erforderlich.

Diagnose

Mit einer Ultraschalluntersuchung des Herzens lässt sich eine Herzklappen-Erkrankung sicher erkennen. In einigen Fällen muss dazu – wie bei einer Magenspiegelung – ein Schlauch mit einer Ultraschallsonde in die Speiseröhre eingeführt werden. Liegt ein Herzklappenfehler vor, wird zunächst geklärt, ob eine Operation notwendig und möglich ist. Hierzu wird eine Herzkatheter-Untersuchung durchgeführt.

Therapie

Ziel der Operation ist es, die normale Herzklappenfunktion wiederherzustellen – und zwar bevor der Herzmuskel so stark geschädigt ist, dass sich trotz Operation die Herzfunktion nicht mehr verbessert. Eine rechtzeitig durchgeführte Operation kann das Überleben sichern und die Lebensqualität entscheidend verbessern. Man unterscheidet offene chirurgische Operationsverfahren, bei denen der Brustkorb geöffnet und die Herzklappe am stillstehenden Herzen durchgeführt wird (bei Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine), und Eingriffe, bei denen die Herzklappe mit Hilfe eines Katheters durch einen Zugang über die Leistenarterie oder einen kleinen Schnitt im linken Brustkorb zwischen den Rippen ersetzt wird. In Deutschland unterziehen sich jährlich rund 30.000 Frauen und Männer einer Herzklappen-OP oder einer kombinierten Bypass-Herzklappen-OP.

Herzklappen-Rekonstruktion

Die menschlichen Herzklappen sind einzigartig in ihrer Lebensdauer und Funktionsweise. Aus diesem Grund versucht man, wann immer es möglich ist, eine erkrankte Herzklappe zu reparieren (Klappenrekonstruktion) – zum Beispiel indem eine undichte Klappenöffnung mit einer Naht verengt wird. Dies ist jedoch nur möglich, wenn keine ausgeprägten Verkalkungen oder schweren Gewebeveränderungen der Klappensegel vorliegen.

Herzklappen-Ersatz

Ist der Herzklappenfehler nicht mehr zu reparieren, kommt ein Herzklappen-Ersatz in Betracht. Zur Auswahl stehen heute viele unterschiedliche Herzklappen-Typen und Operationsmethoden, die individuell je nach Alter, Lebensgewohnheiten und Befund ausgewählt werden. Künstliche (mechanische) Herzklappen-Prothesen zeichnen sich durch ein günstiges Strömungsverhalten sowie eine hervorragende Haltbarkeit aus. Für jüngere Menschen stellen sie häufig die beste Alternative dar. Von Nachteil ist, dass die Patienten ein Leben lang blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen müssen. Dies ist, abgesehen von der ersten Zeit nach der Operation, bei biologischen Herzklappen nicht notwendig; sie werden vor allem Schweinen und Rindern entnommen. Auch menschliche Herzklappen werden inzwischen verpflanzt, sind jedoch wie andere Organe nur sehr begrenzt verfügbar. Eine weitere Möglichkeit ist es, eine kranke Aortenklappe durch die Pulmonalklappe zu ersetzen. Dies ist aufwendig und wird nur selten durchgeführt. Die Langzeitergebnisse sind jedoch hervorragend. Bei Kindern und Jugendlichen, die auf diese Weise behandelt wurden, kann die ehemalige Pulmonalklappe sogar mitwachsen.

Viele Herzpatienten leiden sowohl unter Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße als auch unter erkrankten Herzklappen. Bei diesen Patienten wird häufig innerhalb einer kombinierten Operation gleichzeitig ein Bypass gelegt und die erkrankte Herzklappe durch eine künstliche ersetzt. Solche Patienten stellen eine besondere Risikogruppe dar, weil sie häufig noch unter weiteren Begleiterkrankungen leiden.